Psychologie und Tattoos - Meine persönliche Erfahrung als tätowierte Person


Psychologie und Tattoos - Meine persönliche Erfahrung als tätowierte Person


In der heutigen Gesellschaft neigen viele Menschen dazu, Tattoos immer noch falsch einzuschätzen. Viele Menschen, die jemanden mit Tattoos sehen, denken automatisch negative Gedanken. Diejenigen, die Tattoos haben, sind genau wie jeder andere - bis auf die Tatsache, dass sie sich abheben und zeigen wollen, wer sie sind. Einfach weil sie ein starkes Gefühl dafür haben und genau wissen, wer sie sind. Diejenigen mit Tattoos haben keine Angst, diese auch zu zeigen. Da sie sie auf ihren Körper setzen, um andere wissen zu lassen, wer und was sie sind.

 

Viele, die sich mit der Psychologie von Menschen mit Tattoos beschäftigen, scheinen Menschen mit Tattoos automatisch mit Kriminellen in Verbindung zu bringen. Ich darf diese Erfahrung immer wieder, auch noch in der heutigen Zeit, machen mit meinen Tattoos. Tattoos sind immer noch nicht so gesellschaftsfähig, wie viele denken. Es herrschen immer noch Vorurteile über Menschen mit Tattoos.

Als ich von einer Behörde eingeladen wurde zu einem Kennenlerngespräch (was normal ist), endete das Gespräch allerdings mit einer seltsamen Aussage eines anwesenden Herren. “Herr Dobisch, leider müssen wir Ihnen absagen, denn ich bezweifle, dass jemand, der tätowiert ist, über Fachwissen verfügen kann”. 

 

Meine Reaktion? Da ich schon lange aufgehört habe, mich über solche Aussagen aufzuregen, persönlich zu nehmen oder zu versuchen, mit solchen Menschen in eine Diskussion zu gehen, da es zu 99% für mich persönlich eine reine Zeitverschwendung ist, habe ich gelächelt, gesagt, dass ich die Aussage natürlich akzeptierte, es aber schlimm finde, dass ein Mensch mit solch fataler Menschenkenntnis von unseren Steuergeldern bezahlt wird und mit Menschen arbeitet. Ich bin aufgestanden und gegangen. Und ich denke, dass ich anhand meines Lebenslaufes, beruflich wie privat, durchaus weiß, wovon ich spreche. Ich spreche ja nicht über ein mir unbekanntes Sachgebiet.

 

Das ist nur ein Fall, der mir passiert ist. Auch andere mit Tattoos berichten mir in Schulungen immer wieder von ähnlichen Erfahrungen.

 

Was oft vergessen wird, dass Menschen mit Tattoos ihre Freiheit ausdrücken. Ob sie sich zu dem bekennen, was sie glauben, ob sie zeigen, dass sie zu einer bestimmten Gruppe gehören, oder ob sie den lieben Verstorbenen huldigen - hinter Tattoos stecken immer Bedeutungen. Oft auch Erinnerungen an ein bestimmtes Ereignis im Leben.

 

Der Psychologe, der Menschen mit Tätowierungen untersucht, wird normalerweise versuchen, sich in ihre Gemütsverfassung hineinzuversetzen, was schwer zu bewerkstelligen ist. Seit Hunderten von Jahren sind Tätowierungen aus psychologischer Sicht immer eine Frage gewesen. Wobei die meisten Menschen in der Vergangenheit Tätowierungen mit Kriminellen in Verbindung brachten. Was z.B. in Japan auch immer noch gelten mag. Auch wenn Kriminelle Tattoos haben mögen, gibt es genauso viele, wenn nicht sogar mehr Menschen da draußen, die zu den freundlichsten Menschen der Welt gehören, die ebenfalls Tattoos haben.

 

Tattoos von einem psychologischen Standpunkt aus zu betrachten, kann manchmal heuchlerisch sein. Obwohl diejenigen, die keine Tattoos haben, versuchen werden, herauszufinden, warum jemand sie haben möchte, kann es immer noch als ein psychologischer Standpunkt betrachtet werden. Diejenigen, die Tattoos haben, haben einen Grund, sich diese stechen zu lassen, sonst hätten sie sie gar nicht erst bekommen.

 

Egal, wo man heutzutage hinschaut, es ist üblich, dass man jemanden mit mindestens einem Tattoo sieht. Das bedeutet nicht, dass die Gesellschaft in irgendeiner Weise schwindet, noch bedeutet es, dass die Menschheit ein Haufen Klone wird, die einem Anführer folgen. Tattoos haben im Laufe der Jahre ihren eigenen Ruf aufgebaut und an Popularität gewonnen. Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Menschen dazu entschlossen, sich ein Tattoo stechen zu lassen - was nur das Phänomen der Tattoos zeigt. Und in manchen Kulturen gehört es sogar dazu

 

Wenn Sie sich entscheiden, sich mit der Psychologie von Tattoos zu beschäftigen, müssen Sie zuerst einige der Bedeutungen verstehen. Auch in welcher Kultur beschäftigen Sie sich mit Tattoos? Ein Tattoo kann viel über die Person und ihre Vergangenheit aussagen. Auch wenn manche Tattoos ein wenig beängstigend wirken, kann es sein, dass diese Person die Tattoos in ihrer Vergangenheit bekommen hat und sich jetzt als nichts dergleichen herausstellt. Wie andere da draußen - die Tätowierungen, die in der Vergangenheit erhalten wurden, können als Erinnerung für die Zukunft hinterlassen werden.

 

Tappen Sie also bitte nicht in die Falle, einen Menschen von vornherein falsch einzuschätzen und vorzuverurteilen, der Tattoos hat, bevor Sie mit diesem geredet haben oder sein Verhalten beobachtet haben. Ich kenne einen Mann, der war früher in der rechten Szene. Hat auch heute noch entsprechende Tattoos. Sieht man ihn, und redet nicht mit ihm, ist es ein “Nazi”. Kommt man mit ihm ins Gespräch, werden Sie feststellen, er war in der rechten Szene, früher, ist heute jedoch genau das Gegenteil, was diese Einstellung betrifft. Er hat eine Ehefrau, fünf Kinder, und einen anständigen Beruf, wie er sagt, “seinen Traumjob” erlernt.

 

Gebe ich mir selbst und ihm nicht die Möglichkeit, sich etwas kennenzulernen, tappe ich in die Falle, einen interessanten Menschen falsch einzuschätzen und nicht kennenzulernen. Ich tappe in die Vorurteilsfalle!

 

Und das sollten wir möglichst vermeiden. Oder?



Das könnte Sie vielleicht interessieren: