Oliver Dobisch - Das Ergebnis eines Achterbahnlebens

Wie wurden Sie Motivationstrainer?“ fragte mich ein 19-jähriger junger Mann nach einem Vortrag. „Das ist das Ergebnis meines Lebenslaufes“ war meine Antwort.

 

Geboren wurde ich 1972 in Ulm, aufgewachsen bin ich die ersten Jahre im 10 km entfernten Senden. Meine Eltern waren jung. Sehr jung. Und sie waren Hippies. Dementsprechend wuchs ich auf.

 

Bereits in der Grundschule zog es mich auf die Bühne. An jedem Theaterschauspiel nahm ich freiwillig teil. Eine Lehrerin erkannte damals wohl etwas Talent, sprach meine Eltern daraufhin an, dieses zu fördern. Doch mein Vater wollte, dass sein Sohn Fußball-Profi wird. „Hier liegt das große Geld“. Das Talent beim Fußball war vorhanden. Leider muss ich sagen. So machte sich mein Vater große Hoffnungen. Ich durchlief Auswahlmannschaften, spielte immer in der höchsten Jugendklasse, bekam Angebote von größeren Vereinen. Aber Fußball-Profi zu werden war der Wunsch meines Vaters, nicht meiner. Ich wollte auf die Bühne. Das war mein Antrieb. Aber als Kind/Jugendlicher kann man sich nicht wehren. So ging ich 4-5x die Woche zum Fußball-Training. Besser gesagt, musste.

 

Trotz allem spielte ich auf der Hauptschule, als ich im Teenager-Alter war, bei Theater-Veranstaltungen die unterschiedlichsten Rollen. Dann kam der Dezember 1986. Mein Vater nahm mich mit nach Ulm, eine Heavy-Metal-Band mit dem Namen MOTÖRHEAD machte Halt in der Stadt. Keine Ahnung was das war, aber ich ging mit. Der Sänger & Bassist, Lemmy Kilmister, der veränderte alles. Nach dem Konzert wusste ich, das will ich im Leben später machen. Musiker werden. Touren. Auf Bühnen stehen. Ich änderte am folgenden Tag mein Leben, spielte noch etwa ein Jahr Fußball, bis auch mein Vater einsah, dass es keinen Sinn hat. Das Talent war da. Aber weder Motivation, noch der Wille in mir. Denn ich hatte mir eine E-Gitarre gekauft und lernte Rock-Gitarre. Als ich mit 14 Jahren meinen Freunden/Eltern mitteilte „ich will Rockmusiker“ werden, gab es von allen Seiten schallendes Gelächter. Was mich zutiefst verletzte. Aber ich dachte mir: „Euch werde ich es zeigen“.

 

Mit einem Freund zog ich von meinem 15. bis zum fast 18-Lebensjahr los, wir reisten durch Deutschland um Erfahrungen zu sammeln. Ich tauchte in der damals noch jungen Heavy-Metal-Szene ab. Wir übernachteten in Parks, Bahnhöfen, Fußgängerzonen. Die Schule besuchten wir nicht oft. Und diese Erfahrungen, positiv wie negativ, prägten mich. Leider war der Alkohol damals schon mein Wegbegleiter …

 

Dennoch musste ich etwas „anständiges“ lernen, und ging 1990 mit 18 Jahren zum Land Baden-Württemberg, um Polizist zu werden. Schon während meiner Polizei-Zeit trat ich öffentlich mit Bands auf, sowie Solo als Liedermacher.

 

1999 wurde ich wg. Krankheit im Alter von 27 Jahren gekündigt. „Nicht mehr vermittelbar“ hieß es auf dem Arbeitsamt Günzburg. Einen Job als Lagerarbeiter, der mir vom Arbeitsamt angeboten wurde, lehnte ich dankend ab. Was tun? Eine Anzeige in der Günzburger Zeitung „Geschäftsführer für neue Mediathek in Günzburg gesucht“ weckte mein Interesse, da ich in Videotheken aufgewachsen bin. Ich bekam den Job. Machte diesen wohl so gut, dass man mir auch Filialen in Ehingen & Senden anvertraute, diese aufzubauen. Plötzlich war ich für über 30 Mitarbeiter zuständig. Machte auch Spaß. Nur leider hatte ich keine Zeit mehr für meine Auftritte. Zudem hatte ich während dessen auch noch einen Live-Club übernommen. So hörte ich Dezember 2001 mit den Videotheken auf.

 

Dummerweise ging ich innerhalb weniger Monaten mit meinem Musik-Live-Club pleite. Im Sommer 2002 war Schluss. Ich war pleite, besaß noch 1,80 € Bargeld. Alles verloren. „Mein Freund Alkohol“ half mir. Ich meldete mich bei meiner Gemeinde ab ("ohne festen Wohnsitz") und tourte ein paar Jahre als Sänger & Gitarrist mit einer Heavy-Metal-Band. Hielt mich mit allem was ein wenig Geld einbrachte über Wasser. 2006, nach einer erneuten Rückkehr einer Tour, die nächste Pleite. Innerlich und körperlich am Ende vom Alkohol, ohne jegliche Perpektive für meine Zukunft, schloß ich mit meinem Leben ab. Das "wie und wann" war beschlossen...

...dann ereignete sich etwas, was mich in das Leben zurück kehren ließ. Eine spirituelle Erfahrung.

 

Ich beschloss, mein Leben noch einmal selbst in die Hand zu nehmen. Bei komplett null zu beginnen. Ich überlegte mir Strategien, wie ich mit meinen Traum den ich immer hatte, mein Bedürfnis, das was aus mir herauskam, auf der Bühne Geld zu verdienen, in die Realität umsetzen kann. Aber ich hatte überhaupt keine Ahnung, WIE ich das beginnen und schaffen sollte. Aber ich spürte einen unglaublichen Willen.

Plötzlich kamen die ersten kleinen Erfolge. Heute, einige Jahre später, hab ich meine Ziele die ich damals hatte, alle größtenteils erreicht. Sogar übertroffen. Bin getourt, mit hunderten Konzerten. Spielte große Festivals vor tausenden Besuchern. Bin im TV aufgetreten. Gebe Radio-Interviews. Spiele mit meiner Lebensgefährtin Moni Francis unterschiedliche Musik-Kabarett-Programme. Habe mit 40 Jahren einen Plattenvertrag unterzeichnet. War Platz 5 der Amazon-Download-Charts. Wieder traten wir im TV auf, im SWR usw. Wurde gebucht als Dozent für Themen in der Musikbranche. Schaffte als Veranstalter/Organisator mit zwei Kollegen im Jahr 2007 den Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde mit unserem Gitarrenweltrekord, das weltweit für aufsehen sorgte.

 

Ich lernte, aus Rückschlägen zu lernen. Sie sind ein Teil unseres Weges und Erfolges.

 

2011 kam die ev. Kirche auf mich zu, ob ich vor Konfirmanden-Kids über mein Leben sprechen würde. Hab ich getan. Das Feedback war bewältigend. Daraufhin wurde ich angefragt, vor Erwachsenen über mein Leben zu sprechen. Das Feedback war noch beeindruckender. Briefe, E-Mails, persönliche Treffen und vieles mehr waren die Folge. Die ersten Menschen traten an mich heran, ob ich sie „beraten bzw. coachen würde“, ich sei durch die Mauer schon durch, vor der sie stehen. Seither trete ich als Vortrags-Redner auf zu den Themen Motivationspsychologie, Persönlichkeitsentwicklung und das Erreichen von Zielen nach Rückschlägen. Da ich seit September 2009 "trocken" bin spreche ich auf den unterschiedlichsten Events über meine Vergangenheit, sowie Alkohol & Sucht. Hier geht es zu meiner Suchtkarriere.

 

Vor ca. 3 Jahren trat ein Buchverlag an mich heran und fragte mich, ob ich mir schon einmal Gedanken darüber gemacht habe, aufgrund meiner Vergangenheit eine Biografie zu veröffentlichen. Bis dahin hatte ich mir keine Gedanken darüber gemacht, da ich nicht davon ausging, dass mein Leben irgendjemand interessiert. Da mich in den letzten Monaten auf Vorträgen Besucher ansprachen und fragten, ob ich ein Buch habe, entschied ich mich, mein erstes Buch zu schreiben, an welchem ich derzeit arbeite und welches 2018 veröffentlicht wird.

 

Von 2013 bis 2015 absolvierte ich ein Fernstudium zum Psychologischen Berater/Personal-Coach an der "Impulse – Schule für freie Gesundheitsberufe". Bin Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft freier Berater/innen, Therapeut/innen und Trainer/innen sowie im Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie & Psychologischer Berater e.V. .
Seit Juli 2016 befinde ich mit in der Ausbildung zum Suchtberater.

 

Heute kann ich sagen, dass ich in meinen Traumjobs „arbeiten“ darf.  Ja, Jobs, denn ich darf zum einen als Kabarettist & Sänger auf der Bühne stehen, zum anderen Menschen beim Erreichen ihrer persönlichen Ziele zur Seite stehen. Als Redner und Motivator. Für mich ist es nichts verwerfliches, auf mehren Beinen zu stehen. Sie sehen, der Spruch "du musst dich 100% nur auf die eine Sache konzentrieren" sehe ich nicht so.

 

Somit hat für mich meine Vergangenheit plötzlich einen Sinn bekommen: Um wieder auf die am Anfang gestellte Frage zu kommen: „Wie wurden Sie Motivationstrainer?