Das Böse im Menschen - der Auslöser für mein Interesse an diesem Thema


JUGENDZEIT

 

Sagen wir so, ich wurde in eine spezielle "Gruppe von Menschen" hineingeboren. Als ich 7 Jahre alt war, fand der erste Mord in meinem unmittelbaren Umfeld statt ... ich wuchs in einem Umfeld auf, in dem Drogen etc. dazugehörten...



POLIZEIDIENST

 

Im Polizeidienst, in meinen verschiedenen Stationen in denen ich arbeitete, wurde mir bewusst, dass es nichts gibt was es nicht gibt. Das der Mensch nicht nur eine positive Seite hat. Ich habe Vorfälle erlebt, die fernab des Vorstellbaren liegen…

 



DER AUSLÖSER

 

Als ich in Oberkirchberg bei Ulm aufgewachsen bin, hatte ich einen Nachbarn. Zwei Jahre älter als ich. Nennen wir ihn Daniel (Name geändert). Ich durfte seine ausgedienten Klamotten tragen. Eine sehr wohlhabende Familie. Der Gegensatz zu meiner Familie. Als ich vier oder fünf Jahre alt war zogen wir nach Senden/Iller, nur ein paar Kilometer entfernt. Daniel und ich verloren uns zwar nicht aus den Augen. Man sah sich weniger. Dann ging er auf das Gymnasium, ich auf die Hauptschule. Als ich 14 Jahre alt war, kam Daniel zu mir auf die Schule, da er das Gymnasium nicht mehr schaffte.

 

Ab da waren wir die besten Freunde. Wir zogen bis kurz vor meinem Eintritt in den Polizeidienst im März 1990 einige Jahre gemeinsam durch Deutschland. Er war wie ein Bruder für mich. Wir waren täglich zusammen. Auch von meinen Eltern 100% akzeptiert.

 

Ich ging zur Polizei. Ab da verloren wir uns aus den Augen. Ich hörte dass Daniel seine Ausbildung geschmissen hatte und irgendwas bei der Bundeswehr beruflich macht. Wieder in Oberkirchberg im Haus wohnt, was er vererbt bekommen hat.

 

Dann kommt das Jahr 2003. Meine Mutter ruft mich an, ob ich die Zeitung gelesen habe. Da ist Daniel mit einem Fahndungsfoto. Er soll seine Lebensgefährtin ermordet haben und auf der Flucht sein.

 

Ich informiere mich. Weiß natürlich, wie die Polizei nun vorgeht. Aus dem regionalen Ulmer Fall wird ein bundesweiter Fall, da Daniel auf der Flucht ist. Seit zwei Wochen. Er wird geschnappt.

 

Erste „alte Bekannte“ melden sich bei mir. Machen mir Vorwürfe. Warum verstehe ich nicht. Bis heute.

 

Ich nehme Kontakt zu Daniels´Vater auf. Wir telefonieren. Daniels Eltern sind am Boden. Sie verstehen nicht was da passiert ist. „Wie konnte Daniel das machen?“. Meine Mutter sagt immer wieder „ich glaube nicht, dass Daniel das gemacht hat. Ich kann das nicht glauben“



WAS IST PASSIERT?

 

Es kommt zur Gerichtsverhandlung. Mein Vater und mein Bruder gehen hin. Ich ging nicht hin. Es war besser so. Da die Polizei sich auch bei mir gemeldet hatte, da jeder der Daniel kannte, wusste, wir waren unzertrennliche Freunde.

 

Bei der Gerichtsverhandlung kommt heraus, was passiert war. Es steht in sämtlichen Zeitungen.

 

Daniel wohnt mit seiner Lebensgefährtin und deren Tochter in seinem Haus in Oberkirchberg. Daniel und seine Lebensgefährtin sind auf dem Dachboden. Als sich die Lebensgefährtin nach vorne unten beugt um etwas aufzuheben, nimmt Daniel eine Axt und spaltet ihr den Kopf. Anschließend geht er in die Küche, holt ein Küchenmesser. Wieder hoch auf den Dachboden. Und sticht 12x auf seine Lebensgefährtin ein. Wickelt sie in einen Teppich und legt sie auf dem Dachboden ab.

 

Geht nach unten und lebt normal weiter. Geht mit der Tochter seiner Lebensgefährtin schwimmen. Die Tochter fragt natürlich irgendwann, „wo ist Mama?“. Daniel erklärt ihr, sie sei hier und dort. Irgendwann melden sich die Eltern der Lebensgefährtin. Sie glauben nicht was sie von Daniel hören und erstatten Anzeige.

 

Daniel flieht. Er mietet sich in Pensionen ein. Flieht ohne zu bezahlen. Die Polizei ist ihm auf den Fersen. Nach 6 Wochen findet die Polizei die Leiche auf dem Dachboden. Daniel wird nach einigen Tagen vollgedröhnt mit Medikamenten schlafend im Auto in seiner Garage aufgefunden. Eine mehrwöchige Flucht ist beendet.

 

Daniel wird verurteilt zu lebenslänglicher Haft. Mittlerweile ist er wieder aus dem Gefängnis…



ERKENNTNISSE

 

Bei der Gerichtsverhandlung kommt heraus, die Familie wohlhabend. Daniel lebte von Zinsen. Eine Besucherin der Gerichtsverhandlung wird von der Presse zitiert: „Der Vater von Daniel wird mit seinem Geld schon dafür Sorgen dass sein Sohn aus dem Knast kommt...“

 

Ich nehme Kontakt zu Daniel im Gefängnis auf. Wir schreiben uns oft hin und her. Ich fragte ihn was ihn bewegte dass zu tun. Wie er sich fühlte. Ich wollte verstehen, was in einem Menschen passiert, um so etwas zu tun. Dann breche ich den Kontakt ab...



ES HÖRT NICHT AUF

 

Ende der 2000er höre ich auf der Autobahn im Radio, „in Senden hat ein Mann seine Freundin mit dem Messer erstochen.“

 

Wie sich herausstellt, war das mein anderer „Kumpel“ aus meiner alten Clique….

 

Etliche alte Weggefährten von mir haben sich entweder selbst getötet, wurden zum Mörder oder Straftäter. Sind an Drogen oder Alkohol gestorben.

 

Ich versuche zu verstehen und zu erkunden, was passiert ist. Deswegen beschäftige ich mich intensiv mit diesem Thema.