Straftaten gegen SicherheitsmitarbeiterInnen


Die derzeitige Lage

Immer öfter hört man in den letzten Monaten und Jahren von Angriffen, Übergriffen und Straftaten gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von privaten Sicherheitsunternehmen bei der Ausübung des Dienstes. Dabei gehören Straftaten wie Beleidigungen bedauerlicher Weise schon fast zur Tagesordnung.

 

In Bremen sticht ein Kunde mit dem Messer mehrmals auf den Sicherheitsmitarbeiter in, weil dieser ihn am Eingang eines Supermarktes hinwies, er dürfe nur mit Einkaufswagen den Supermarkt betreten. In Zeiten des Corona-Virus sollte das für jeden BürgerIn normal sein. Ist es offensichtlich nicht. Der Sicherheitsmitarbeiter wurde in das Krankenhaus eingeliefert, überlebt diesen Angriff.

 

In Wuppertal ein ähnliches Bild in Zeiten von Corona. Ein alkoholisierter Kunde reiht sich mit zwei Bekannten in die Warteschlange ein. Was so zu dieser Zeit nicht erlaubt war. Der Sicherheitsmitarbeiter arbeitet vorschriftsmäßig. Und wird körperlich angegriffen. Kann sich jedoch verteidigen und den Betrunkenen bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Glücklicherweise erlitt der Sicherheitsmitarbeiter laut Westdeutscher Zeitung nur leichte Verletzungen am Hals.

 

Im Bereich Dortmund ein ähnliches Bild wegen der Corona Auflagen. Der Sicherheitsmitarbeiter führt vorschriftsmäßig seine Arbeit aus. Und wird dennoch von einem Trio attackiert, welches nicht einsieht, dass es nur mit je einem Einkaufswagen pro Person den Supermarkt betreten darf. Was darin endet, dass es gegen das Trio zu Strafanzeigen wegen Beleidigung kommt. Und zu einer weiteren Strafanzeige, da jemand aus dem Trio mit dem Auto auf den Sicherheitsmitarbeiter fährt. Dieser kann durch überlegtes Handeln schlimmeres verhindern.

 

In den USA wird Anfang Mai ein Security Mitarbeiter erschossen, weil er eine 45-jährige Mutter darauf hinwies, man dürfe den Supermarkt in Zeiten von Corona nur mit Mundschutz betreten. Es kommt zum verbalen Streit zwischen der Frau und dem Security-Mitarbeiter. Nach einer Weile kommt sie zurück mit ihrem Ehemann und dessen 23-jährigen Sohn. Nach Angaben von NTV und übereinstimmenden Berichten aus den USA tötet der 23-jähirge mit einem Kopfschuss den Security-Mitarbeiter und flüchtet mit seinem Vater.

 

Das sind nur vier Beispiele. Aus Zeiten von Corona. Die Liste kann weiter geführt werden. Beispiele ausserhalb von Corona Zeiten sind hier nicht aufgeführt. Es sind aktuelle Berichte und Vorfälle.

Das sagt das polizeiliche Kriminalstatistik

Am 30.01.2020 veröffentlicht das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2019. Es  findet sich auch die Berufsgruppe "Bewachungsgewerbe - privat" in dieser Statistik. 

 

2019 wurden von der Polizei bundesweit insgesamt 8258 Straftaten gegen männliche Mitarbeiter von privaten Bewachungsunternehmen registriert. 1570 versuchte Straftaten. 6688 vollendete Straftaten. Gegen weibliche Mitarbeiterinnen wurden 2019 von der Polizei insgesamt 578 Straftaten registriert. 94 versuchte und 484 vollendete Straftaten.

 

Aus der Statistik ist ersichtlich, dass es sich bei den meisten Straftaten gegen SicherheitsmitarbeiterInnen im Bereich der Körperverletzung (plus schwere und gefährliche Körperverletzung), räuberischer Diebstahl etc. handelt. Bedauerlicherweise kam es laut Statistik einmal zu versuchtem Mord sowie zweimal zu versuchtem Totschlag.

 

Man kann von einer großen Dunkelziffer von Straftaten gegen MitarbeiterInnen von Sicherheitsunternehmen ausgehen, welche nicht von der Polizei erfasst wird, da diese nicht zur Anzeige gebracht werden. Hierbei spreche ich aus persönlicher Erfahrung sowohl als Einsatzleiter bei Events, oder als Objektleiter von sieben Gemeinschaftsunterkünften in den Jahren 2015 - 2017.

Selbst erlebter Fall vor drei Wochen

Selbst wurde ich vor drei Wochen Zeuge und musste in eine Auseinandersetzung eingreifen. Ich wartete auf dem Parkplatz eines Supermarktes in meinem Auto auf meine Frau, die nebenan in einem anderen Geschäft war. Meine Sicht war zufällig auf die Eingangstüre des Supermarktes gerichtet. Ich beobachtete den Sicherheitsmitarbeiter, wie er freundlich und zuvorkommend die Kunden begrüßte, auch meine Frau und mich zuvor, und die Einkaufswägen mit Desinfektionspray desinfezierte. Statur des Sicherheitsmitarbeiters: der junge Arnold Schwarzenegger. 

 

Plötzlich fuhr ein Pkw direkt vor die Eingangstüre. Und bleib stehen. Die junge Dame stieg vom Beifahrersitz aus, rannte in den Supermarkt. Der Sicherheitsmitarbeiter sprach den Fahrer freundlich an, er solle bitte seinen Pkw vom absoluten Halteverbot und aus dem Eingangsbereich entfernen und auf einen der vielen freien Parkplätze stellen. Es kam zum Wortgefecht. Der Sicherheitsmitarbeiter war dennoch ruhig. Machte ein Foto vom Pkw-Kennzeichen. Und wandte sich wieder ab um seiner Arbeit nachzugehen. Plötzlich sprang die junge Dame aus dem Supermarkt, und der Fahrer, Statur: Thomas Müller vom FC Bayern München, aus dem Pkw, und auf den Sicherheitsmitarbeiter zu.

Dieser war nicht vorbereitet, und wurde von beiden Personen zu Fall gebracht. Beide prügelten mit Händen und Füßen auf ihn ein. Ich sprang aus meinem Auto auf die drei zu. Ebenso kam der Filialleiter aus dem Markt, sowie zwei Kassiererinnen. Diese rissen die junge Dame weg vom Sicherheitsmitarbeiter. Der Filialleiter und ich entfernten den jungen Mann vom Sicherheitsmitarbeiter. Mittlerweile kamen noch zwei weitere männliche Passanten hinzu und unterstützten den Filialleiter. Ich nahm den Sicherheitsmitarbeiter zur Seite.

 

Er stand offensichtlich unter Schock. Nase gebrochen, klaffende Platzwunde über dem linken Auge. Sowie das linke Auge mittlerweile schon zugeschwollen. Gesicht und Kleidung voller Blut. Meine Fragen "wie geht es Ihnen" usw. konnte er nicht beantworten. Er war nicht mehr "auf dieser Welt", zitterte am ganzen Körper.

 

Die Polizei sowie DRK wurden verständigt und trafen sofort ein. Der Sicherheitsmitarbeiter wurde in das Krankenhaus verbracht.

Eigensicherung aus psychologischer Sicht

Wie ich auch immer in meinen Seminaren sage, mir geht es nicht um Kampfsport und Selbstverteidigung. Ich denke, jeder und jede im Sicherheitsgewerbe sollte zumindest die Grundformen von Verteidigung beherrschen. Das zählt zur Eigensicherung meines Erachtens. Weit aus wichtiger wird aber immer der Bereich der Psychologie. Als Polizist wurde ich für jegliche Arbeit extra geschult in Psychologie. Sei es für den Streifendienst. Oder als verdeckter/ziviler Ermittler im Drogenmilieu. In Vernehmungstaktiken.

 

In dem von mir beschriebenen Fall wäre es anders verlaufen, hätte der Sicherheitsmitarbeiter gewisse Punkte aus der Psychologie beachtet. Warum tat er dies nicht? Vergessen? Schlecht oder gar nicht geschult?

 

Ich weiß, mit Deeskalation und Psychologie kann man nicht jeden Konflikt alleine lösen. Es gibt Fälle, die können leider nur mit körperlicher Gewalt beendet werden. Dennoch bin ich mir sicher, würden viele Konflikte erst gar nicht entstehen, wenn bestimmte Erkenntnisse aus der Psychologie beachtet werden würden. Sei es aus der Verhaltenspsychologie, Sozialpsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Motivations-psychologie, rhetorische Deeskalation und Kommunikation.

Das Problem des "lieben Geldes und der Kosten"

Mir ist bewusst, dass Schulungen im Bereich der Psychologie das Unternehmen Geld kosten. Und viele Unternehmen davor zurückschrecken. Vielleicht auch der Meinung sind, es ist nicht notwendig. Betrachtet man die Zahlen der Straftaten gegen MitarbeiterInnen des Sicherheits-gewerbes, könnte man evtl. zur Schlussfolgerung kommen, dass eine Notwendigkeit vielleicht doch vorliegt?

 

Denn jeder SicherheitsmitarbeiterIn, welche(r) im Dienst verletzt wird, fällt aus. Teils sehr lange. Und kostet das Unternehmen Geld. Und für diese MitarbeiterInnen muss auch Ersatzpersonal gefunden werden für die Zeit der Krankschreibung. Personal, was die Branche nicht hat. Es fehlt überall an geeignetem Personal.

Gedanken

In den Gesprächen mit Kunden wurde mir in letzter Zeit immer mehr gesagt, wie wichtig diese es finden, dass das eingesetzte Sicherheitspersonal im Bereich Psychologie, Deeskalation und Kommunikation geschult ist. Es gibt Kunden, die sagten mir, wir sind gerne bereit mehr zu bezahlen, wenn solch geschultes Personal eingesetzt wird. Denn nicht nur das Sicherheitsunternehmen hat etwas davon, auch der Kunde.

 

Vielleicht sollten wir in unserer Branche "private Sicherheit" so langsam aber sicher mehr in unser Personal investieren. Zur Sicherheit des Personals, aus Gründen des Arbeitsschutzes. Zur Sicherheit des Unternehmens. Zur Zufriedenheit des Kunden.

 

Und als Dienstleister, was die privaten Sicherheitsunternehmen sind, sollten wir versuchen, wenn möglich, die Arbeit und das Personal so zu schulen, dass alle zufrieden sind und etwas davon haben. Die Kunden. Das Sicherheitsunternehmen. Das eingesetzte Personal.

 

Das als Gedanke. Euer Oli Dobisch

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Quellen