Wie bleibe ich trotz Beleidigungen und verbalen Angriffen ruhig?

In Corona-Zeiten, könnte man den Eindruck bekommen, werden Menschen bestimmter Berufsgruppen wie z.B. VerkäuferInnen im Supermarkt, MitarbeiterInnen von Behörden und Unternehmen mit Kundenkontakt, MitarbeiterInnen in Sicherheits- und Security-Unternehmen hauptsächlich das Angriffsziel von Beleidungen und Beschimpfungen. Die BürgerInnen machen sich Luft. Leitragende sind unter anderem die genannten Berufsgruppen. Das Phänomen wird jedoch nur deshalb gerade so wahrgenomen, weil die Medien verstärkt darüber berichten. In Nicht-Corona-Zeiten sind die Beleidungen und sprachlichen (und manchmal leider auch handgreiflichen) Angriffe jedoch genau so präsent.

 

Woran liegt das?

 

Das hat mehrere Gründe. In der Corona-Zeit sind die Menschen verärgert über die Politik. Es werden Maßnahmen beschlossen, ohne den BürgerInnen genau zu erklären, warum dies geschieht. Die Menschen fühlen sich bevormundet. Somit liegt das Problem in der nicht stattfindenden, bzw. mangelhaften Kommunikation der Politik mit den Menschen. Leitragende sind z.B. Verkäuferinnen im Supermarkt, SicherheitsmitarbeiterInnen von Sicherheitsunternehmen, welche den Einlass am Supermarkt regeln. Die Politik sind für die verärgerten Menschen nicht greifbar. Die Verkäuferin oder "Security an der Türe" schon. Und schon wird der Frust an diesen Menschen ausgelassen. Es kommt zum Wortgefecht. Und nicht selten zu Handgreiflichkeiten. Mußte ich selbst als Besucher eines Supermarktes miterleben Anfang April und einschreiten. Da ein junges Paar auf den vorbildlich und zuvorkommenden Mitarbeiter der Security an der Supermarkt-Türe plötzlich einprügelten, da sie nicht einverstanden waren mit den Anweisungen und Vorgaben des Supermarktes.

 

Ausserhalb der Corona-Zeit werden leider auch tagtäglich viele MitarbeiterInnen im Kundenkontakt Opfer von Beleidigungen. Als erste Ansprechpartner von verärgerten Menschen müssen diese leider das ausbaden, was andere, in den Augen der verärgerten Menschen, "verbockt haben". Die verärgerten und frustrierten Menschen lassen Dampf ab.  Mit teils sehr üblen und weit unter der Gürtellinie liegenden Beleidigungen und Beschimpfungen. Dies führt oft bei den Betroffenen MitarbeiterInnen zur Frustration. Und im schlechtesten Fall läßt man sich dazu verleiten, Kontra zu geben. Weil das Fass in einem übergelaufen ist.

 

Was kann ich dagegen tun um dies Beleidigungen und Beschimpfungen nicht mehr an mich ran zu lassen?

 

Die Ursache, warum wir Beleidigungen an uns heranlassen und persönlich nehmen, sind vielfältig. Die Frage wurde mir auch neulich beim Interview von Jörg Zitzmann gestellt ( www.podcast-fuer-schutz-und-sicherheit.de/ ). Ein Grund dafür ist, mangelndes Selbstvertrauen. Ich arbeite immer noch (soweit es die Zeit zu läßt) als Einsatzleiter bei Veranstaltungen. Es macht mir viel Spaß. Ich lerne viel über menschliches Verhalten, was ich in meine Arbeit im Bereich der Psychologie einbauen kann. Nicht selten brüllen michjunge Menschen an, die meine Kinder sein könnten, "so Idioten wie du die nichts im Leben zustande gebracht haben, arbeiten irgendwann für mich. Hättest du was anständiges gelernt, müßtest du nicht als Security arbeiten." Und das sind noch die netten Formulierungen.

 

Jetzt könnte ich dagegen argumentieren und eine Diskussion starten. Bring erfahrungsgemäß nichts. Da ich mich nicht erklären muss. Und auch nicht will. Trifft mich das? Nein. Ich weiß wer ich bin. Was ich kann. Was ich nicht kann. Und wie mein Lebenslauf ist. Und mich erfüllt der Beruf mit Freude.

 

Ich wurde gefragt, "ob ich keine Ehre habe oder warum ich mich so beleidigen lasse". Doch, eine Ehre habe ich. Aber mich kann niemand beleidigen. Ich bin mir meiner selbst bewußt und vertraue mir und meine Fähigkeiten. Und Menschen, die mich, oder Sie beleidigen bei der Berufsausübung, kennen weder mich, noch Sie. Heißt, beleidigt wird der Berufsstand, das Logo das auf der Dienstkleidung steht. Die Firma für die wir arbeiten. Aber nicht wir selbst als Mensch. 

 

Wenn ich mir dessen bewußt bin, und immer wieder bewußt mache, auch, dass Beledigungen und Beschimpfungen zum Beruf gehören, wenn ich mit Kunden zu tun habe, können andere sagen, was sie wollen. Die beste Antwort dafür? Da gibt es ein tolles Sprichwort: "Wer lächelt statt zu toben, ist stets der Stärkere". Und das funktioniert :-)

 

Lassen Sie sich nicht in Ihrem Selbstwertgefühl schädigen von Menschen, die es nur darauf anlegen, mit anderen zu streiten. Niemand kann Sie als Menschen beleidigen. Nur, wenn Sie es zu lassen. Sie sagen, das kann ich aber nicht ignorieren? Doch, können Sie. Und wie alles im Leben muss man das lernen. Und immer wieder daran arbeiten.

 

In diesem Sinne, Ihr Oli Dobisch